Überflüssig

Ich sitze am Schreibtisch und kriege Gefühle. Heftige Gefühle. Wut, weil ich nicht vorankomme. Angst, weil ich glaube es nicht zu schaffen. Panik, weil die Abgabe naht. Und schließlich Hass. Hass auf mich, weil ich Wut und Panik kriege. Die mich vom Arbeiten abhalten und alles nur noch schlimmer machen.

„Viele negative Emotionen wie Angst, Wut, Ekel und Traurigkeit sind ein normaler Bestandteil unseres emotionalen Repertoires. Ebenso wie Durchfall und Erbrechen mögen sie unangenehm sein, aber sie haben grundlegende schützende Funktion“ (Gilbert 2013: 64).

Schützen wovor? Meinen Vortrag fertigzustellen? Einfach mal stringent zu arbeiten? Mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, anstatt dauernd überrollt zu werden von fiesen Emotionswellen?

„Unser Gehirn hat sich nicht für das Glücklichsein entwickelt, sondern für das Überleben und die Fortpflanzung“ (ebd.).

Ja, danke. Das mit dem Glücklichsein hab ich eh‘ schon abgehakt. Und zum Überleben brauch‘ ich den Vortrag nicht. Dann höre ich mal auf mein Gehirn. Und gehe raus. Die Sonne scheint. Wenn es am Schreibtisch schon nicht klappt, vielleicht dann mit der Fortpflanzung.

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8 Gedanken zu “Überflüssig

  1. wo ist das problem? macht doch alles sinn. ich empfehle vor jeder abgabe, jeder prüfung, jedem examen die geistige diarhoe. beschert gute beurteilungen und platz für neue überflüssigkeiten. in diesen sinne lets go H2O+ – viva nina y la superfluicidad 🙂

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  2. wann kommt dein kommentar zur vielgepriesenen vulnerabilität? oder ist dieser hochgeschätzte anteil inzwischen abgeschafft? ganz zu schweigen von der niedrigen belastungsgrenze. hä? *fingertrommel*

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  3. ok akzeptiert. dann resistier mal der resilienz in deiner residenz der aktuellen resistenz..oder so…eben habe ich sowas ähnliches auf dem balkon probiert und JA! es gibt eine verschwörung!!! die der laubbläserInnen!! ehrlich: es ist eine SIE – oder einer mit implantaten.
    was denn für ein vortrag? seltsame rituale habt ihr heute in der uni….früher brauchte ich nur colonrobben mit minimalhirneinsatz in fächern in denen ich wirklich miserabel war – altgriechisch, musik und geographie. naja….und sport *schäm*
    aber wirklich erzähl doch mal was über diesen ominösen vortrag bitte
    supericddisgrüsse aus hessen, bettina

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  4. Aufschieberitis…interpretiere mal den satz, „das gehirn ist nicht auf glücklichsein sondern überleben eingestellt“ so: „ich brauche erst fiesen druck, damit adrenalin und cortisolspiegel fast platzen, dass ich das gefühl habe, ich muss nen megaendspurt einlegen und dafür kämpfen, keine null zu sein, weil ich nen 100-jahre-vorbereitungszeitvortrag nicht rechtzeitig abzugeben vermag…aufschieberitis ist übrigens ansteckend, kommt in jedem haushalt vor UND es gibt noch KEINE impfung…;-)

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  5. Geiler Blog, sensationell geschrieben! 🙂 Ich kenne das Problem, Endphase Dissertation und Borderline, das ist phasenweise wie nem Fisch das Fahrradfahren beizubringen 😦 Im Moment überlege ich aus dem Gefühl heraus, es nicht zu schaffen wieder lauter Blödsinn was ich noch machen könnte anstatt meinem Beruf. Z.b. ne Currywurstbude auf den Malediven (was ich für ne Marktlücke halte!!). Und dann geht die Zeit vorbei und wieder ist nix geschrieben und dann geht der Strudel weiter 😦 Zum kotzen sowas!

    Ich wünsch Dir jedenfalls viel Kraft und viel Erfolg dich von den schlechten Gefühlen zu distanzieren und den Rest erfolgreich durchzuziehen!

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