Aufbruch

Ich wünschte mir einen Moment, ich hätte Ihr Leben, wo mein größtes Problem darin besteht, dass mir jemand sein Cabrio anbietet, um damit die Stadt zu verlassen. Carol Connelly, As good as it gets.

Nein, ich habe kein Cabrio. Es ist ein VW Polo. Aber den habe ich vollgepackt und mit dem werde ich jetzt die Stadt verlassen. Vielleicht für immer. Erstmal.

Viele Menschen werde ich vermissen. Doch es überwiegt die Leichtigkeit. Die Leichtigkeit des Aufbruchs und eines Neuanfangs. In eine Stadt zu gehen, in der man nicht jede Straße kennt. Nicht jedes Gesicht in der Bahn meint schon mal gesehen zu haben. Nicht jede Ecke, jeder Platz so mit Erinnerungen belegt ist, dass kein Raum für neue bleibt. In eine Stadt aufzubrechen, die wieder beschrieben werden kann. Mit Erlebtem und Ereignissen. Dinge wieder zum ersten Mal zu tun. Mit Menschen an Orten. Bedeutungen zu schaffen. Und über die Dichte der Bedeutungen sich langsam heimisch zu fühlen.

Ja, man lässt viel zurück an einem Ort. Doch am selben eine Andere zu werden ist schwer. Eine neue Lebensweise in alten Strukturen zu etablieren ebenfalls. Ja, man lässt viel zurück an einem Ort. Nicht nur Freunde und Bekannte, auch Teile von sich selbst. Und davon werde ich manche nicht vermissen.

Ich fahre auf die Autobahn. Das große blaue Schild sieht freundlich aus. Es hat einen Namen mit einem Pfeil, der mir den Weg zeigt. Und während ich langsam schneller werde, schaue ich zurück auf Hamburg und mein altes Leben. Deren Zeit ist nun vorüber. Und mit diesem Lebensabschnitt ist auch dieser Blog zu Ende.

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22 Gedanken zu “Aufbruch

  1. Liebe Nina,
    ganau so habe ich es vor 9 Jahren auch gemacht.
    Damals hatte ich mich endgültig auch vom Konsum des Alkohols verabschiedet.
    Die Zeit danach möchte ich nicht missen- es war die beste Entscheidung meines Lebens.
    Bis jetzt.
    Denn in mir bewegt sich seit einiger Zeit wieder etwas in Form von Veränderungs Wünschen…
    Du liest dich zzt sehr „bei dir“..
    Schön.
    Ich kenne dich nicht persönlich,durfte jedoch hier ein wenig in dein Seelenleben schauen.
    Dafür möchte ich dir danken.
    Dafür möchte ich dir meinen Respekt aussprechen.
    Ich verstehe deinen Entschluss diesen Blog zu beenden sehr gut.
    Ich hoffe du hast auch mich und uns alle hier wahrgenommen und lass dir gesagt sagen, das du mit allem nicht alleine bist!
    Ich für meinen Teil, erlebe vieles ähnlich..

    Von Herzen alles gute für dich!
    (verlier dich nicht in BER-bleib „bei dir“)

    Tschüss, mach`s jut 🙂

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  2. Oh liebe Nina,
    das ist natürlich sehr bedauerlich zu hören, wenn auch nachvollziehbar. Aber vielleicht möchtest du ja einen neuen Blog eröffnen, bei einem neuen Lebensabschnitt, zu anderen Themen oder auch diesen irgendwann weiterführen… Es würde mich sehr freuen!
    Deine Texte haben mit soviel Tiefgang, Witz und Ehrlichkeit einen Einblick in die Komplexität der BPS verschafft und sehr viel mehr. Deine Persönlichkeit hat einen gefangen genommen und du eine Reise in dein Inneres ermöglicht. Vielen lieben Dank dafür! Und willkommen in Berlin, lass es dir gut gehen!

    Drück dich unbekannterweise,

    kimchi

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  3. Ich wünsche Dir einen guten Neustart in der neuen Stadt und hoffe du findest das was du zu finden wünschst! (Auf mehreren Ebenen jetzt gedacht 😉 ). Schade dass auch dein Blog damit sein Ende findet, ich fand es toll hier zu lesen. Ich konnte das immer echt gut nachvollziehen was du ziemlich einzigartig umschrieben hast. Ich finde es gibt – heutzutage mehr denn je – nur noch wenige, die wissen mit Sprache umzugehen. Ich finde du kannst das sehr gut 🙂
    Ich wünsch Dir alles Gute, viel Reflexion, kein Alkohol, einen guten Abschluss der Promotion, wenig bis keine „bald’s“ und „vielleicht’s“, einiges an Champagnertrüffel, nie zu viel, immer genau die richtige Menge zum genießen, damit es dir davon nicht schlecht wird und einen guten Start in der neuen Stadt
    GLG!

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  4. Dieser Blog zuende? Gibts einen neuen? Oder ist das Bloggerleben zuende?

    Manchmal ist ein neuer Weg auch eine neue Chance – mit altem abzuschließen, neues zu beginnen.
    Und möge dein Leben viele leckere Pralinen genießen können.

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  5. oha… wow… danke für all die schönen beiträge in diesem blog, er wird mir fehlen, habe dich / den blog zwar erst vor ein paar wochen entdeckt – mich aber seitdem täglich mal blicken lassen um zu sehen was es neues von dir gibt weil du ne scöne art hast dinge zu sehen und input zu geben 🙂

    wünsche dir einen wunderbaren neustart in berlin – und würde mich natürlich freuen wenn du an anderer stelle weiterhin von dir berichtest.

    grüß mir die alte heimat und freu dich auf den sommer in berlin!

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  6. Danke für die vielen tollen Worte, die mich zum lächeln und/oder nachdenken gebracht haben. Ich wünsche dir nur das Beste und warte gespannt, ob du vielleicht doch mal ein ganzes Buch rausbringst 😊

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  7. Ich bin zwar erst Ende des vergangenen Jahres auf Deinen Blog gestoßen, habe aber schon bald auf jeden neuen Eintrag von Dir ungeduldig warten lernen müssen. Vieles habe ich mit in meine Tage genommen und es hin- und hergedreht, betrachtet und mich über Deine Klugheit, die Tiefe und Farbigkeit Deiner Reflexionen, die wohlgesetzten Worte, Deinen manchmal beißenden Humor und Deinen Mut, Dinge des Innens anzupacken und beim Namen zu nennen, gefreut. Ich werde Deinen Blog sehr vermissen!
    Danke und einen guten Weg!!!

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  8. Nein, bitte nicht aufhören.
    Ich freue mich für dich, bin aber auch traurig. Habe deinen Blog seit längerem als quasi Seelenverwandte verfolgt und oft ein wenig Kraft daraus schöpfen können. Danke dafür!
    Mach’s gut Nina, bitte pass auf dich auf. Es ist so schwer, jemanden „gehen zu lassen“, dem man sich durch Worte so verbunden fühlt.
    Auf das Leben.
    Alles Liebe,
    Christiane

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  9. Ninaaa! Ich will miterleben, was Berlin mit dir und du in Berlin machst. Schreib weiter, bitte! Vielleicht einfach unter einem neuen Titel? Clean and sober?
    Danke für all die wunderbaren Beiträge bisher!
    Cheers!

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  10. Liebe Nina. Danke dafür das du uns Lesern soviel von dir gegeben hast .Soviel habe ich für mich raus ziehen können. Durch dich habe ich gelernt mich selbst besser zu verstehen. Dafür bin ich dir unendlich dankbar. Ich persönlich bin sehr traurig das du aufhörst, auch wenn ich es gut nachvollziehen kann. Wie sagt man :mit einem lachendem und einem weinendem Auge . Auch ich würde mich freuen iwann wieder etwas von dir zu lesen, vlt in einem neuen Blog oder tatsächlich einem Buch ,ich würde jedenfalls eins von dir kaufen 😉 . Alles Gute für dein neues Leben! Alexandra

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  11. Danke für alles, vor allem für deine ehrlichen Worte und reflektierten Betracthtungen, die mir so viel geholfen haben, zu verstehen, was sonst kaum zu verstehen wäre. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute für den Neuanfang und würde mich – wie die anderen auch – freuen, wenn ich irgendwann wieder was von dir lesen dürfte.
    Zum Abschied möchte ich dir ein paar Worte von Hermann Hesse mitgeben, mit denen sich eine Freundin vor vielen Jahren von mir verabschiedet hat und die mich seitdem begleiten, mich manchmal getröstet und irgendwie auch ein bisschen beschützt haben:
    „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

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  12. Hey Nina,
    auch als eigentlich „stiller Verfolger“ deines Blogs muss ich fix ein paar Worte loswerden:
    Eher zufällig stieß ich vor ca. 5 Monaten während einer Recherche über Borderline auf deinen Blog und hätte nicht gedacht, dass dieser in Rekordzeit zu einer meiner meistbesuchten (nur Google ist noch darüber) Seiten wird.
    Das liegt an der wirklich bewundernswerten Art und Weise wie du es schaffst Geschichten zu erzählen. Ich habe selten einen so informativen, interessanten aber auch zugleich unterhaltsamen und fesselnden Blog gelesen.

    Allein dein Schreibstil sowie deine eloquente Ausdrucksweise macht schon jeden Eintrag lesenswert (musste manchmal sogar ’nen Duden ranholen 😉 ).
    Dein klasse Humor und die großartigen Lebensweisheiten ließen mich mal lachend oder auch mal sehr nachdenklich zurück.
    Wirklich beeindruckend.

    Du hinterlässt den Eindruck einer starken, offenen und geordneten – auch wenn du mir bei Letzterem bestimmt widersprechen würdest – Persöhnlichkeit , die ihren (und bestimmt den richtigen) Weg gehen wird, komme was wolle.

    In diesem Sinne:
    Vielen Dank für diesen fantastischen Blog.
    Alles Gute, genieße dein neues Leben! 🙂

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  13. Liebe Nina, ein Ende und ein neuer Anfang ist immer schwer und auch aufregend. Ich salutiere vor Dir und wünsche dir unendlich viele Regenbogen und nur wenige Stolpersteine auf deinem Weg. Wenn du doch mal an eine „Mauer“ gelangst und/oder dich einsam fühlst… ich werde dir in der besten Stadt der Welt gerne eine/meine Tür öffnen oder ein paar schöne (unverfängliche) 😉 Straßen zeigen. Deine Zeilen, welche meinen Arbeitstag erleichtern werden mir fehlen. Hab dank für jede Einzelne. Alles Gute auf deinen Wegen und genieße sie…

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  14. Nana Nina,
    Ich hoffe doch stark, dass Du uns erhalten bleibst.
    Den einen Blog beenden und vielleicht einen neuen eröffnen?
    Schließlich gibt’s von guten Büchern und Filmen auch immer eine Fortsetzung 😉

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  15. Oh nein… Nicht mit dem Bloggen aufhören!!! Du schreibst soll, hab immer auf den nächsten Beitrag gewartet!!!

    Aber natürlich einen guten Start in der neuen Stadt!!!!
    Mir hat dazu immer der Mut gefehlt….

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  16. Ich finde es schade das du diesen Blog beendest. Weil jede Zeile die du schreibst so viel Interesse in mir weckt, wie es andere nicht mit ganzen Büchern schaffen.
    Ich bin über Umwege auf deinen alten Blog gestoßen und habe dort schon jeden Buchstaben aufgesaugt. Man liest echt nur noch selten Sachen die man sich sofort bildlich vorstellen oder zumindest nachvollziehen kann.
    Natürlich hab ich die Hoffnung das nach diesem Blog ein weiterer folgt, und nach dem wieder ein neuer.
    So eine Art von Sprung von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt.

    Falls dies nicht der Fall sein sollte, so wünsche ich dir trotzdem alles Gute.

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