Lotterie

Es gibt diesen Spruch aus Forrest Gump Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt. So weit, so kitschig.

Hat man jedoch Borderline, ist man selbst die Pralinenschachtel. Und weiß nie, was man kriegt. Ob Nougatcreme oder Pistazienmintfüllung. Eine stete Überraschung. Jeden Tag. Und außerhalb jeglichen Einflussbereiches. Nichts hat sich verändert. Alles wie zuvor. Doch schmeckt es plötzlich …nun ja, nach Pistazienmintfüllung eben. Ekelhaft und ungenießbar.

Denn irgendetwas drückt und nagt. Wie zu enge Schuhe. Ein undichter Wasserhahn im Kopf. Schraubknecht an den Schläfen. Man ist gereizt. Man will sich wehren. Und weiß nicht gegen was. Ich hör‘ in mich hinein – so wie ich es gelernt habe. Befrage mich was los ist. Und krieg‘ doch keine Antwort. Weil es wohl auch keine gibt.

Zum Glück kenne ich das schon. Und weiß, dass es vorbeigeht.

Und weiß, dass es nicht hilft, die Wohnung zu zerlegen. Mit einem Baseballschläger. In Einzelteile. Auch wenn ich genau das machen will. Weiß, dass es nicht hilft, sich selbst zu verletzen. Ganz leicht. Mit einem scharfen Gegenstand. Auch wenn ich genau das machen will. Und weiß, dass es nicht hilft, sich zu betrinken. Mit Wodka. Viel Wodka. Auch wenn ich genau das machen will.

Ich weiß, dass Liegestützen helfen. Und kilometerweit zu laufen. Bis ich total erschöpft bin. Ich weiß, dass schöne Dinge helfen. Menschen, Handlung und Gedanken. Auch wenn ich trotzdem aggro bin. Ich weiß, dass mir der Alltag hilft. Zu machen, was geplant ist. Weitermachen. Schritt für Schritt. Auch wenn ich dabei wütend bin.

Zum Glück kenne ich das schon. Und weiß, dass an sich gar nichts hilft. Nur, dass es vorbeigeht.

Dass morgen alles anders ist. Mit Milchcreme und Champagnertrüffel. Wenn mir wieder alles schmeckt, entspannt und wunderbar ist. Wenn es schön ist, ich zu sein. Mit einem unversehrten Körper. In einer heil gebliebenen Wohnung. Und all das ohne Kater.

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11 Gedanken zu “Lotterie

  1. Super Beispiel! So weit wäre ich auch gern, Respekt! Aber das klappt leider bei mir noch nicht wirklich. Vom Kopf her weiß ich, dass ich Nougat eigentlich überhaupt nicht mag, aber trotzdem hau ich mir immer mal wieder Nougat in die Figur bis zum erbrechen. Wenn ich zum kognitiven Nougatverzicht auch affektiven Nougatverzicht hinzumischen könnte, dann würde ich vielleicht auch nur noch einen Champagnertrüffel genießen und mich daran erfreuen. Ich vermute bis dahin ist es noch weiterhin wie Topfschlagen im Mienenfeld. Und so werd ich wohl noch ne ganze weile vergeblich versuchen auf den Geschmack von Nougat zu kommen. Aber immerhin gebe ich alle Champagnertrüffel gern an andere ab, damit die glücklich sind. Sarkastisch betrachtet kann ich feststellen, dass ich am Ende auch so nicht alleine bin, auch wenn ich mich so fühle während ich den Nougatkater aussitze.

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    1. „Topfschlagen im Minenfeld“ – sehr schöne Metapher!
      Zwischen Nougat und Champagner langweile ich mich mittlerweile immer öfter mit schnöder Vollmich. Weniger gestört zu sein ist ja ganz nett. Aber auch grässlich langweilig. Normalität ist sehr gewöhnungsbedürftig.

      Gefällt 2 Personen

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