Sozialexperiment. Woche vier.

Es ist spät. Recht spät. Man könnte sagen nachts. Ich fahre nach Hause. Öffentlich. Ein Mann setzt sich zu mir. Ein nicht unsympathischer Mann. Er klappt eine Zeitung aus. Ihm entgleitet ein Teil und ich hebe ihn auf. Das Feuilleton einer Wochenzeitung. Er bedankt sich artig.

Der Pflicht meiner Versuchsanordnung schuldig erwidere ich etwas. Ich erwidere wie schwierig es sei, das Format in der Bahn zu lesen. Und wie noch viel schwieriger überhaupt die Zeit dafür zu finden. Er stimmt mir wortreich zu. Die Qualität der Artikel wäre es wert. Er sagt welche Artikel und welche Positionen.

In der Klinik habe ich mich entschieden nicht über Politik zu sprechen. Niemals über Politik zu sprechen. Um Menschen weiter sympathisch zu finden. Und zu überleben.

Draußen ist das anderes. So bin ich dankbar meine Haltestelle zu erreichen. Dankbar nicht drei Monate mit ihm in diesem Zug zu sitzen und, dass Sympathie bei politischen Einstellungen unmittelbar enden darf.

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6 Gedanken zu “Sozialexperiment. Woche vier.

  1. Hu, ja das kann nach hinten los gehen eine zähe Politikdiskussion 🙂 Wenn ich da jemand finde der meine Meinung teilt finde ich wiederum die-/denjenigen an sich meistens aber auch sympathisch. Aber ja, das ist wie Topfschlagen im Mienenfeld.

    Ganz heikles Thema diese „Politik“. Ganz heikel. Vor allem in diesen Tagen wo politisch echt viel los ist. Da bekomm ich auch immer wieder mal eine morzmäßige Wut darüber was in der Welt passiert (ohne jetzt Stellung zu beziehen). An der Stelle klappt reflektieren dann aber doch in der Tat ganz gut um herauszufinden ob die Wut berechtigt ist oder nicht. Allerdings in dem Aufbau von Beziehung kann das schon auch schnell zu ner gewissen Ablehnung meinerseits führen. Hach ja, die „gute“ Politik 🙂
    Seit ich aber mit so nem Mist (und hier beziehe ich bewußt Stellung! 🙂 ) wie Facebook oder sonstige „sozialen“ Medien nichts(mehr) zu schaffen habe bin ich schonmal deutlich weniger wütend 😛

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  2. Und wieder ein „fröhlicher“ Frontbericht…
    Ich lerne viel von Dir. Auf die Idee, politische Diskussionen durch deren Vermeidung nicht als verbalen Kahlschlag zu gestalten, bin ich noch nicht gekommen. Ich hatte es bisher lediglich als Übung des Aushaltens und der Mäßigung betrachtet. Insgesamt mit verhaltenem Erfolg.
    Danke!

    Gefällt 1 Person

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