Kundenservice

Man ist doch schon recht schmerzfrei. Nach mehrjährigen Therapien und Gesprächen bei Psychiatern, Kliniken, Suchtberatungsstellen. Routinierter Seelenstriptease. Ja, das bin ich. Ja, das hab ich. Ja, das tat ich ebenfalls.

Man ist doch schon recht schmerzfrei. Trotzdem gibt es Errungenschaften, die ich zu schätzen weiß. Den Privatsphärenabstand am Apothekenschalter zum Beispiel. Den gibt’s noch nicht lange. Und schon gar nicht überall. Eine erfreuliche Institution. Es geht schließlich niemanden was an, was ich zu erwerben pflege. Und den Rückschluss auf meine physisch-psychische Verfasstheit erst recht nicht. Das will ich von anderen auch nicht wissen. Ganz sicher, ehrlich und wirklich. Mich berührt das nämlich. Peinlich berührt das nämlich. Wie hinter Kollegen in der Drogeriemarktkasse zu stehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ja, man ist schon recht schmerzfrei. Aber nicht schmerzfrei genug. Wie ich wieder feststellen muss. Denn was nützt der Privatsphärenabstand am Apothekenschalter, der mich vor Kunden schützt, aber nicht vor Apothekern. Vor jungen, attraktiven Apothekern. Was macht man da? Richtig. Hustenbonbons kaufen und in eine andere Apotheke gehen. Mit Apothekern, die alt sind. Oder hässlich. Oder am besten beides. Und wenn man Glück hat, ist die nächste Apotheke um die Ecke. Und nicht eine Stunde entfernt. Zu Fuß. Bei strömenden Regen.

Angesichts dessen und eines wachsenden Vorrats an Hustenbonbons wittere ich eine Marktlücke. Frauen-Apotheken. Männer-Apotheken. Roboter-Apotheken. Oder anonyme Apotheken mit Vermummungsgebot. Vielleicht mag das jemand mal umsetzen.

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5 Gedanken zu “Kundenservice

  1. omg lach, nina kenne ich so gut. aber ich brauchte mein antidepressivum ganz dringend. „was hätten sie gerne? geht das auch ein bisschen lauter? ah ja, das FLUCTIN haben wir gerade vorrätig.“ ja äh danke.. schöner mann.

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  2. Oder du findest einen Apotheker deines Vertrauens, der deine Wunsch nach Diskretion umsetzt. Da habe ich Glück mit meiner Apotheke nebenan.
    Aber abgesehen davon kennen die meisten Menschen nicht die Namen von Antidepressiva und es gibt ja so viele verschiedene.

    Gefällt 1 Person

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