Härtetest

Geburtstag zu feiern ist Stress. Purer Stress. Immer hatte ich Angst, es würde niemand kommen. Der fleischlich verkörperte Beweis, dass mich wirklich keiner mag. Und es alle sehen können.

Das war natürlich Unfug. Es waren immer Freunde da. Und niemals wirklich wenig. Aber eben auch nicht alle. Und das machte mich traurig. So traurig, dass ich die Party nicht genoss. So traurig, dass ich mir schwor, es nie wieder zu tun. Jedes Mal. Und irgendwann tat ich es. Bis vor drei Jahren.

Bis ich entschied mich über das zu freuen, was da ist. Und nicht zu hadern, was noch hätte sein können. Und es waren tolle Partys. Die besten, die ich jemals hatte. Seit meinem 14. Geburtstag. Aber der ist eine andere Geschichte. Nur hab‘ ich bisher noch konsumiert. Und nicht nur immer Alkohol.

Nun feiern wir morgen eine Party. Die Einzugsparty meiner Mitbewohnerin. Und den Abschied von mir aus dieser Stadt. Und das wird hart. Nicht nur wegen des Abschieds. Sondern meiner Abstinenz. Der sozial niedrigen Belastungsgrenze bei absoluter Nüchternheit. Die Hälfte der Menschen unbekannt. Die Wohnung voll mit Alkohol. Von mir eigenhändig selbst erworben. Und auch noch hierher geschafft.

Denn normalerweise geh ich einfach, wenn mir die Party nicht gefällt. Die Menschen mir zu viel werden. Konversation nur betrunken noch ertrage. Das geht nur nicht, wenn es die eigene Party ist. Die eigene Feier zu verlassen ist möglich. Aber eben schlechter Stil.

Daher habe ich mich entschieden Spaß zu haben. Trotzdem. Irgendwie. Mich über das zu freuen, was da ist. Und nicht zu hadern, was noch hätte sein können. Das ist ein guter Vorsatz. Und ein kühner noch dazu. Ich sehe mich, amüsiert unterhaltend morgens um vier in meiner Küche sitzen. Ich sehe mich, nüchtern allein inmitten Angetrunkener. Und kann’s mir doch nicht vorstellen. Aber Weglaufen zählt nicht. Und zur Not kann ich immer noch ins Bett gehen. Es wär‘ nicht meine erste Party, die ich schließlich dort verbringe. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Und aus einer anderen Zeit.

 

 

 

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3 Gedanken zu “Härtetest

  1. Liebe Nana,
    zu manchen Ereignissen braucht man einen gewissen zeitlichen Abstand, um sie bewerten und literarisch verarbeiten zu können. Nur so viel: Widerstand war zwecklos. 😉

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