Muskeltraining

Ich habe meiner Therapeutin von meinem Problem erzählt. Meinem Männerproblem. Der mangelnden Schnittstelle von Sympathieträgern und Sexappealbesitzern. Das sei typisch, sagte sie. Na toll, dachte ich. Mal wieder volle Punktzahl auf der Borderlineskala.

Darüber hinaus war sie besorgt. Ich könnte die trennungsbedingte Lücke mit einem dysfunktionalen Kandidaten besetzen. Wie das letztes Mal. Das Mal davor. Und davor. Und, naja, eigentlich immer. Also hat sie mir Tipps gegeben. Datingtipps. Das fand ich putzig. Und gar nicht mal so überflüssig.

Ich solle den netten Jungs mal eine Chance geben. Den ersten Schritt machen. Sie einfach ansprechen. Ich wäre doch nicht schüchtern, oder?
Ich?! Schüchtern?! Nein, absolut nicht. Abgesehen von Sozialphobie und genereller Angst vor Ablehnung bin ich natürlich gar nicht schüchtern. Kein Stück. Also, doch. Irgendwie schon.

Daher habe ich mir eine Aufgabe gestellt. Wie Mischa Badasyan. Der Performancekünstler hatte sich vorgenommen ein Jahr lang jeden Tag mit jemand anderem zu schlafen. Nein, das wollte ich natürlich nicht. Aber jede Woche jemand ansprechen. Einen Mann. Einen netten Mann.  Einfach so. Egal wie. Egal wo. Hauptsache ansprechen. Das trainiert. Senkt die Schamgrenze. Und mit etwas Glück kommt was bei rum. Peinliche Auftritte mit Sicherheit. Sowie amüsante Blogbeiträge.

Und heute fange ich an. Er muss mir nur über den Weg laufen. Jetzt! Sofort! Ich warte.

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15 Gedanken zu “Muskeltraining

  1. Hui, das finde ich mutig. Das könnte ich nicht, auch wenn ich wirklich allen meinen Mut zusammen nehme. Da würde ich lieber direkt in ne Kreissäge laufen (vom gefühl her) bevor ich einfach so eine Frau ansprechen würde so ohne Grund. Also da beneide ich dich wirklich. Find ich toll, vielleicht schaff ich sowas auch mal irgendwann 🙂

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    1. Keine Vorschusslorbeeren! Das Experiment hat gerade erst angefangen. Und aus Vorsatz ist noch keine Tat geworden. Denn erstaunlicherweise hat bisher kein netter Mann rein zufällig mein Büro betreten.

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      1. Was erlauben!?! Wieso kommt da keiner vorbei? Sauerei! 🙂 Aber unter dem Gesichtspunkt könnte ich es auch versuchen. Weil hier wird sicher auch keine unbekannte Frau im Büro vorbeikommen und auf dem Heimweg (10km durch den Wald) wohl auch nicht, und wenn dann werd ich sie lieber nicht anquatschen, das wäre im Dunklen im Wald vielleicht keine gute Taktik für ne Kontaktaufnahme….

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  2. Ach Herrje. Entschuldige, es ist mal wieder sehr unterhaltsam. Mit so viel Wiedererkennungswert. Dysfunktionale Beziehungsmuster. Ich bin ja seit bald vier Jahren Single, davon gut die Hälfte unglücklich verliebt gewesen. Was habe ich nicht schon ausprobiert. Unter anderem zweifelte ich auch an meiner sehr manifestierten Sexualität. Ob ich auch mit Männern schlafen könnte? Bis dato ist es jedenfalls nicht geschehen. Egal. Ich verwehre mich diesem Thema mittlerweile aus mehreren Gründen. Ein ganz pragmatischer ist, dass die Auswahl für mich bereits von Natur aus sehr begrenzt ist. Dann noch die eigenen Ansprüche. Sowohl an mich selbst als auch an mein Gegenüber. Hach ja. Nina, ich wünsche dir, dein Experiment wird überwiegend amüsante Erlebnisse hervorbringen 🙂

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    1. Und ich hatte gerade eine Phase, in der ich wünschte, ich wäre lesbisch. Aus Prinzip und Überzeugung.
      Doch das ist mir leider nicht vergönnt.
      Und realistisch betrachtet, würde es auch nichts ändern. Denn Paarbeziehungen bestehen immer aus zwei Menschen. Das macht es immer kompliziert. Erst recht, wenn einer der zwei Menschen ich bin.

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      1. Hmmm. Diese Sichtweise kann ich leider nur sehr gut nachvollziehen. Also jene über den Paarbeziehungen. Fragen über den aktuellen Beziehungsstatus (schreckliches Wort) werden nach ehrlicher Antwort mit einer mir – sieh es mir nach, ich werte jetzt – verhassten Aussage gekontert: „Ich verstehe nicht, warum jemand wie du niemanden findet.“ Tja. Ich schon.

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  3. Hm, was passiert danach? Als ich vor über 12 Jahren einen Mann ansprach war es Sympathie. Dann wurde es liebe. Wir sind bis heute zusammen und ich bin zu 78,3% der Zeit froh ihn neben und hinter mir zu haben. Doch die restliche Zeit ist Horror. Ich weiß nichts ich es bin, die Probleme mit uns hat aber entweder liebe ich ihn mehr als mein Leben oder ich hasse ihn so sehr, dass ich gegen die Wand boxe, um nicht ihn zu schlagen.
    Beziehungen sind toll aber auch doof, genau so wie das Singleleben.

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  4. Liebe Nina
    Mit Spannung und Freude verfolge ich nun seit ca. 3 Monaten deinen Blog.
    Deine erfrischend trockene Art mit dem Thema Borderline umzugehen hat schon so manches schmunzeln aber auch schon die ein oder andere Träne auf mein Gesicht gezaubert. Bestes Beispiel hierfür ist „Hulk“… 😉
    Nun zu mir/uns…
    Ich heisse Alex und bin 37.
    Meine Frau Monja, 40 geworden, hat auch Borderline. Dadurch bin ich auf deinen Blog gestossen.
    Nach vielem hin und her hab ich mich jetzt dazu entschlossen dich persönlich anzuschreiben.
    Da wir grosse Freude an deinen Erzählungen haben und dein Leben erschreckend simultan mit dem meiner Frau verläuft, wollte ich dich fragen ob es möglich wäre dich auch mal persönlich kennenzulernen.

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Mit liebem Gruß

    Alex

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    1. Lieber Alex,
      es freut mich wirklich sehr, dass ihr meinen Blog als Bereicherung empfindet. Nachrichten wie Eure motivieren mich immer wieder weiterzuschreiben.
      Einem persönlichen Treffen steht jedoch der Anonymitätsgedanke dieses Projektes gegenüber. Ich kann Euch aber empfehlen, mal zu einem Borderline Trialog in Eurer Nähe zu gehen. Da findet ihr regen Austausch mit Menschen wie mir. Und vielfältigen Variationen von mir. Und in der richtigen Stadt zur rechten Zeit auch tatsächlich mit mir. 😉
      Alles Liebe für Euch!
      Nina

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  5. Liebe Nina,

    Männern eine Chance geben, die man eigentlich ausgeschlossen hat?
    Morgen habe ich ein drittes Date … ein Date mit einem Mann, den ich ausgeschlossen hatte, denn er ist nicht intelligenter als ich. Er ist absolut unkompliziert und recht einfach gestrickt. Er ist ein positiv denkender Mensch … aber hey, er bringt mich zum Lachen und vielleicht ist ja das das, was zählt?

    Ich bin gespannt, was wir dahingehend von dir lesen dürfen.

    Liebe Grüße
    Nana

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