Orakel

Ich glaube nicht an Fügung, Schicksal oder Zufälle. Und Horoskope lese ich schon gar nicht. Ja. Nein. Doch. Manchmal. In der Tageszeitung meines Asiaimbisses. Leichte Unterhaltung passend zur Nahrungsaufnahme. Und ist ohnehin alles Quatsch. Die ganze Zeitung, meine ich.

Mein täglicher Kulturnewsletter ist da bereits gehaltvoller. Titel heute: Mitfühlend, Frei & Am Leben.

Da sage ich doch, ja. Dreimal ja. Das Motto nehm‘ ich. Und bestelle den Newsletter gleich ab. So wie das Radio nach manchem Titel umgehend aus. Denn besser, das weiß ich, kann es einfach nicht werden.

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5 Gedanken zu “Orakel

  1. Mitfühlend höchstwahrscheinlich ja. Frei? Das ist doch wieder zu pauschal formuliert. Am Leben? Wer weiß ja, manchmal aber auch nicht mehr. Macht es Sinn, dass ich für Letzteres ein Tattoo unter dem Schlüsselbein habe, um mich in schlechteren Zeiten daran zu erinnern? Ja, auch wenn es etwas paradox erscheinen mag – denn wäre ich nicht am Leben, könnte ich es ja schlecht sehen. Irgendwie. Steht dein Vorhaben noch, am Donnerstag wieder mit dem Rauchen aufzuhören? Ich möchte das seit Langem auch wieder. Seit vier Jahren. Da habe ich wieder angefangen. Völlig unfrei. Es grüßt vom Rande des Wahnsinns eine dir wohlgesonnene Leserin 🙂

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  2. Da man ohnehin in so vielen Zwängen gefangen und nicht frei ist, könnte man zumindest die absolut Überflüssigen zu minimieren versuchen. So mein Plan. Hilfreich wäre ruhiges Fahrwasser und freie Sicht. Ist zwar gerade nicht vorhanden. Versuchen werde ich es trotzdem. Mehr als scheitern kann ich nicht. Und es dann erneut probieren. Immer wieder. Und von vorn.
    Zum Thema Tätowierung (nein, eigentlich zu allem, worüber ich hier schreibe) habe ich gerade einen wundervollen Text von Kathrin Weßling gelesen. Einer dieser wundervollen Texte, vonen denen ich wünschte, ich hätte sie selbst geschrieben. Mit zahllosen Parallen. Inklusive tätowierter Handgelenke. 😉
    http://kathrinwessling.de/2015/11/08/hier-jetzt-ich/
    Meine Leseempfehlung für heute.
    Es grüßt Dich herzlich, Frau Nuthouse.

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    1. Wahnsinn. In der Tat ein sehr guter Text, absolut zutreffend und auch ergreifend. Damit schlagen wir uns herum. Also ich und meine zahlreichen inneren Anteile – früher sagte ich Persönlichkeiten, das klang dann doch zu sehr nach Schizophrenie. Heute frage ich mich oft – frei nach Richard David Precht: Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? Ich zähle mich auch zu diesen Entschuldigern. Zur Zeit arbeite ich daran und auch an dem Punkt – wie nennt man das Gegenteil von Outsourcing? – mich nicht ständig bei meinen Freunden auszuheulen. Aus verschiedenen Gründen. Immer in großem Disput mit der einen Stimme, die behauptet, die anderen würde es eh nicht interessieren, wie es mir geht.

      Vielen Dank für den Linken von Kathrin Weßling. Und weiterhin schöne gedankliche Gemälde oder auch nur kurze Kritzeleien deinerseits. Hochachtungsvoll, Frau Ikarus 😉

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  3. Lieblingsstelle:

    Ich möchte mich die Hälfte meines Lebens für mich selbst entschuldigen

    Wenn man sich so lange mit einem kaputten System beschäftigt hat und damit, es zu sortieren und es aufzuräumen und zu reparieren, dann ist man sich seiner Selbst auf eine wirklich manchmal schwer zu ertragende Weise deutlich bewusst. Und man ist sich darüber bewusst, dass andere Menschen auf Überweisungsscheine Diagnosen schreiben, die was mit einem zu tun haben. Und das wiederum hat zumindest bei mir dazu geführt, dass ich mich die Hälfte meines Lebens am liebsten für mich selber entschuldigen möchte.

    Entschuldigung, dass ich so schnell rede und denke. Entschuldigung, dass ich so sensibel bin. Entschuldigung, dass ich so schnell Angst bekomme. Entschuldigung, dass ich manchmal anstrengend bin. Entschuldigung, dass ich mit den meisten Menschen nichts anfangen kann. Entschuldigung, dass ich, nachdem ich so viele Jahre mit so einer schweren Krankheit verbracht habe, nicht mehr bereit bin, meine Zeit bin dummen Dingen und Arschloch-Menschen zu vergeuden oder überhaupt zu vergeuden. Entschuldigung, dass ich so unruhig bin. Entschuldigung, dass ich viel lieber arbeite als rumzuhängen. Entschuldigung, dass ich nicht solche Beziehungen führen kann wie andere. Entschuldigung, dass ich ich bin. Entschuldigung, dass ich irgendwie versuche, aber so zu sein. Entschuldigung für meine Gedanken und Gefühle und sowieso. Tschuldigung.

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