Achtsamkeit im Alltag. Heute: Achtsames Bahnfahren

Ich steige in die Bahn und denke: F***, was ist die verd*** sch*** Bahn so sch*** voll. Ich stelle fest: Das war eine Wertung. Und versuche es achtsam. Wahrnehmen ohne zu werten.

Ich nehme wahr. Die Bahn ist voll. Es sind viele Menschen in der Bahn. Sehr viele Menschen. Sie stehen dicht beieinander. Kein Freiraum zwischen ihren Körpern. Ich spüre Gliedmaßen. Knie, Ellenbogen, Gesäße. Sie drücken gegen mich. An Rücken, Beinen, Oberarmen. Mit zunehmender Intensität.

Ich sehe Gesichter. Unterschiedliche Gesichter. Verschiedenen Alters, Hautfarbe, Gepflegtheitsgrad. Gesichter mit Mimik. Expressiv bis ausdrucksarm. Sehr dicht an meinem. Ich spüre Atem auf der Wange. Feucht und warm. Die Gesichter bewegen den Mund.

Ich höre Stimmen. Überlagerung von Stimmung verschiedener Klangfarbe, Tonlage und Lautstärke. Ich höre Stimmen, die Worte sagen. Aneinanderreihungen von Worten. Denen ich keine Bedeutung zuschreibe.

Ich rieche Gerüche. Eine Mischung aus Zwiebeln, Mettbrötchen und nicht ganz hart gekochten Eiern. Mit einer leichten Obernote aus schalem Bier und Kaffee.

Die Bahn hält. Die Tür öffnet sich. Ich trete ins Freie.
Das war schön. Das mache ich morgen gleich nochmal.

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12 Gedanken zu “Achtsamkeit im Alltag. Heute: Achtsames Bahnfahren

  1. „Wie man das Leben in vollen Zügen genießt“ von Nina Nuthouse

    Ich kann überfüllten Bahnen nichts abgewinnen. Aber halt, erinnern wir uns an die freundliche Sichtweise der Japaner: Zumindest war das keine Bahn in einer asiatischen Großstadt zur Rush Hour. *schauder*

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  2. Ich fluche weiter bei vollen Bahnen. Ein Teil von Borderline mit dem ich mich arrangiert habe und den ich eigentlich gut finde. Und besonders überfüllte Bahnen find ich dermaßen „§)“/)?$“ „=)§ (/“(?§) !!!! Aber wie so oft flüchte ich auch vor dieser Seite und erlange innerliche Ruhe durch Fahrradfahren 🙂

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  3. Hahaha sehr anschaulich beschrieben. Das ist mein täglich Brot und zwar zwei mal! Nur riecht es nach Knoblauch und ungeputzten Zähnen. Wenn erner Gähnt ist es wie eine unsichbare Faust die dich umhaut. Du siehst sie nicht kommen aber es sie trifft dich hart. Ganz zu schweigen von dem ungefragten Dauerkörperkontakt. Keine Ahnung wie ich es schaffe mich da jeden Tag wieder reinzuquetschen …
    Hier mein Beitrag zum Thema: https://frankygoestoshanghai.wordpress.com/2015/03/09/living-in-shanghai-3-der-taglich-wahnsinn/
    LG Franky

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  4. Ich schreibe einfach mal hier, da ich gerade keinen allgemeinen Bereich finde..

    Liebe Nina,
    ich danke dir so herzlich für diesen Blog.
    Für den Mut es laut auszusprechen.
    Für die Wahrheit fern ab von allen „Emos“ –
    Danke.
    Diese Diagnose läuft so lang schon durch meinen Kopf und ich denke immer „Ich bin nicht so, wie die Gesellschaft Borderline sieht. Das bin ich nicht.“
    Ich bin Erwachsen, ich arbeite, ich schaffe es Beziehungen aufzubauen. Ich bin nicht anti, suspekt oder verrückt. Ich bekomme manches nicht hin, häufig vor allem nicht „mich selbst“ – aber ich bin nicht .. ein Klischee.

    Oh man, es gehen grad so viele Gedanken durch meinen Kopf und ich will soviel sagen, weil ich mich gerade so freue, dass es jemanden gibt, der so gezielt, so genau, so wahrhaftig sagen kann was da passiert.

    Danke. Danke für diesen Blog. Danke für das Verständnis auch für mich selbst (hrhr – ich dachte ich habe schon viel verstanden.. )
    Danke.
    Ehrlich.
    Danke!

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      1. oh, bitte – mach unbedingt weiter. es hilft mir andere zu verstehen (ich habe kein borderliner syndrom – aber mir begegnen immer mal wieder menschen, die dies haben) und es hat mich schon sehr viel nachsichtiger gemacht, weil ich sie verstehe, weil ich weiß, wann sie wie reagieren und es hilft mir auch mich ein wenig selbst zu schützen. aber auf jeden fall ist es für ein miteinander wichtig, viel mitzubekommen. viele verstecken sich hinter ausreden, weil sie hoffen, den anderen nicht weh zu tun (mit ehrlichkeit), dabei wäre es so wichtig, ehrlich miteinander umzugehen.

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  5. Hallo Nina, ich kann mich Dani anschliessen. Danke für deine Ehrlichkeit. Dass du so schreibst wie du denkst und fühlst in den Augenblick. Ich persönlich habe dich gerade bei Webtipps aus der Redaktion der Zeitschrift „Spektrun Gehirn&Geist“ entdeckt und lasse dich nicht mehr los! 😊 Ich verspüre gerade ein Gefühl der Zugehörigkeit und das tut einfach gut! Bitte hör nicht auf!

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