Lesen und Verstehen

Ich bin Akademiker. Wenn ich etwas machen will, kauf ich zuerst ein Buch.

Ich wollte Marathon laufen. Und habe mir ein Buch gekauft.
Ein Marathon-Buch.
Ich wollte mit Rauchen aufhören. Und habe mir ein Buch gekauft.
Ein Nichtraucher-Buch.

Kaufen allein hilft nur nicht. Man muss das Buch auch lesen.

Wenn ich etwas nicht verstehe, kauf ich ebenfalls ein Buch.
Heut‘ hab ich mir ein Buch gekauft. Luhmanns Liebe als Passion.
Und habe es gelesen. Lesen allein hilft nur nicht. Man muss es auch verstehen.

Verstehen, dass Liebe kein Gefühl ist. Sondern eine Deutung.
Verstehen, dass Liebe kein Naturphänomen ist. Sondern ein Konstrukt der Neuzeit.
Liebe ist ein Kommunikationsmedium. Ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium. Wie Wahrheit, Macht und Geld.
Und Intimverhältnisse sind soziale Systeme. Soziale Systeme, die den Ansichten und Bedürfnissen der Beteiligten gerecht werden müssen – sonst kommen sie in Schwierigkeiten.

Ja, das habe ich gelesen. Und habe es verstanden. Glaube ich zumindest. Geholfen hat es trotzdem nicht.

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14 Gedanken zu “Lesen und Verstehen

  1. Vieleicht sollten die schlauen Autoren weniger Bücher und mehr Gebrauchsanweisungen schreiben. Wobei, ich schreibe ja auch derzeit und hoffe vor allem, dass die nicht Borderliner dafür verstehen können, was mit uns los ist.

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  2. Nicht alles, was in Büchern steht, womöglich sogar als allgemein anerkannte Lehrmeinung gilt, entspricht auch der Realität. Häufig werden Theorien später widerlegt oder es gibt unterschiedliche Theorien zu ein und demselben Sachverhalt. Manche Bücher und wissenschaftliche Abstracts werden hauptsächlich geschrieben, um sich als Autor oder Wissenschaftler zu profilieren.
    Schon nach der kurzen Beschreibung des Buchinhaltes meine ich zu verstehen, was der Autor sagen will. Aber meine Gefühle und Erfahrungen sagen etwas anderes und deshalb fürchte ich, kann dieses Buch über eine schöne Theorie auch niemandem im tatsächlihen Leben helfen.
    Das, was Nina in ihrem Blog und einige andere in den Kommentarn schreiben, hilft hingegen wirklich. Es hilft mir z.B. zu verstehen, was Borderline ist und mit was ich damals in meiner Kindheit und Jugend konfrontiert war, ohne zu wissen, was es ist. Deshalb finde ich es gut und wichtig, dass ihr schreibt.

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    1. Liebe Nina,
      der Kommentar von Bine spricht mir aus dem Herzen.
      Vielen Dank für Deinen Blog – in Deinen Einträgen finde ich mich ständig wieder und das wiederum unterstützt mich und hilft mir, mich selbst zu akzeptieren.
      Wenn ich es erwähnen darf, möchte ich den Blog von Tobi Katze empfehlen. Denn auch die Depression ist nicht nur Teil von uns Borderlinern sondern auch mit Humor besser – naja, nicht unbedingt zu ertragen aber zumindest zu verstehen.
      Beste Grüsse und bitte schreibe weiter 🙂 Sina

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      1. Weißt Du denn was Liebe ist, oder genügt Dir die Selbstverliebtheit in Deine kritischen Anmerkungen diesem „all zu verrückten Leben“ gegenüber?

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      2. Ich weiß es nicht. Und ich habe auch noch niemanden getroffen, der es weiß. Vielleicht wissen Sie es?

        Selbstliebe scheint mir eine gute Ausgangsbasis für eine gesunde Paarbeziehung. Und es freut mich, wenn es den Anschein macht, dass ich diesen Punkt erreicht habe.

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      3. Und warum ein psychologischer Psychotherapeut mich und mein therapeutisches Schreibprojekt in dieser Form kommentiert, weiß ich natürlich auch nicht. Aber Sie werden sicher Ihre Gründe dafür haben.

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  3. Ein Mensch suchte sein ganzes Leben nach dem idealen Partner. Sie traf viele andere Menschen, doch keiner konnte sie so glücklich machen, wie sie es sich vorstellte und ihr geben, was sie vermeinte zu brauchen. Immer fehlte etwas, daher wollte sie mit keinem, die sie traf, zusammen bleiben.
    So blieb sie immer allein und auf der Suche.
    Als sie alt wurde und gebrechlich fragte sie ein junger Mensch: „Hast du wirklich nie jemanden gefunden, mit dem du zusammen bleiben wolltest?“
    „Doch“ antwortete die Alte „vor vielen Jahren begegnete ich jemandem und wollte bleiben, doch leider suchte auch derjenige nach dem idealen Partner“.

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  4. Sensationell! Das spricht mir schier aus der Seele. Marathon Buch hab ich auch gekauft und gelesen. Aber mehr als 10km hab ich noch nicht geschafft. Vielleicht muss ich mir 4 Bücher kaufen. Mal sehen. Oder einfach meine Ziele als eher unsportlichen, eher phlegmatischen Akademiker nochmal neu stecken und „leicht“ reduzieren. Mir selbst ein vernünftiges Ziel setzen. Quasi auch eine Grenze. Was halt auch nicht oft klappt. Aber ich hab echt sau viele Bücher zu Hause, über Themen die mich interessieren und dann lese ich sie manchmal überhaupt nicht. Mir gibt es übrigens absurderweise auch schnell das Gefühl „dazuzugehören“. Ich lesen ein Buch, also bin ich auch einer „von ihnen“.
    Bei Liebe wäre es ja dann so ne Sache, da müsste ich erstmal mit der Kinderfiebel anfangen, weil da hab ich leider überhaupt keine Ahnung von! Isst man das eigentlich roh….?

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      1. Hm ok, muss ich mal drüber nachdenken. Und dann auch nicht alles auf einmal verschlingen nur weil ich dann grad „Heißhunger“ habe….. da laufe ich auch schnell gefahr. Aber zunächst brauch ich ein Kochkurs, erst dann kann ich über ein Tupperabend nachdenken!

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