Einsichten

Früher hab ich Menschen gesagt, sie würden mich in einer merkwürdigen Phase meines Lebens kennenlernen.

Irgendwann hab‘ ich es eingesehen.
Es ist keine Phase. Es ist Struktur.
Persönlichkeitsstruktur.
Der Klasse F60.31.

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28 Gedanken zu “Einsichten

  1. Mir kommt dein letzter Post arg bekannt vor. Ich hatte einige Jahre Depressionen, habe mich selbst verletzt und hatte einige Symptome von Borderline und hatte ganz schwer daran zu knacken nicht zu wissen, wer ich eigentlich bin. Was ist krank und was ist Charakter? Wer bin ich überhaupt und wie bin ich und was bleibt von mir übrig, wenn ich das Kranke weglassen, wenn es verschwindet? Ist dann ein Teil von mir weg und will ich diejenige sein, die dann übrig bliebe?
    Deswegen kann ich dir auch nicht zustimmen wenn du schreibst, dass das keine Krankheit und keine Phase ist, sondern du selbst. Nein, du bist das nicht unbedingt selbst. Diese Art zu denken und zu fühlen, dieses Extreme, das bist nicht du, das sind die Auswirkungen deiner nicht gesunden Psyche und man darf sich selbst nicht einreden, man würde etwas verlieren, wenn diese Eigenschaften verschwinden, denn dein richtiger Charakter ist zu einem maßgeblichen Teil unter diesen Borderline-Extremen vergraben. Vielleicht mußt du dich trotzdem damit abfinden, aber die Chance besteht, dass du gesund oder gesünder werden kannst und diese Krankheit irgendwann Vergangenheit ist. Wenn du sie aber als du selbst betrachtest, dann wird sie auch immer ein Teil von dir sein, weil sie sich wie ein Parasit bequem einnistet und du um sie herum noch putzt und sauber machst, und dich mit ihr hübsch einrichtest. Das ist nicht ungefährlich.

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  2. Die persönlichkeitsstörung mag eine nummer bekommen haben, doch niemand ist identisch mit einem anderen, auch nicht der borderliner. Das wichtigste ist, sich selbst zu akzeptieren, wie man ist und sich als einzigartig zu sehen und zu fühlen. Im übrigen ist niemand perfekt, was ist das schon perfektion, oder normalsein. Habe noch niemanden erlebt, der das beurteilen könnte. Alles ist gut und richtig, wie es ist.

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    1. Daher sehe ich es nicht als Störung. Sondern als spezifische Persönlichkeitsstruktur, die auch ganz wunderbar sein kann, wenn man die Komorbiditäten im Griff hat und Intensität in jeder Hinsicht zu schätzen weiß.

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  3. Was sind denn all die abwehrmechanismen? sie sind symptome…ganz normale symptome mit denen man entweder geboren wird oder die man erfolgreich erworben hat, weil man sich psychisch aus einer misslichen lage retten wollte, genau das gehört zu dir, denn sonst hättest du einiges nicht überlebt…alles, was wir sind, ist die summe unserer erfahrungen und wie man damit umgehen konnte und genau hier beginnt individualität und authentizität…genau DAS bist DU…;-) auch wenn in kinderschuhen steckengeblieben, erfährt man sich und seine umwelt genau so. Behandlungsmöglichkeiten beginnen beim verstehen lernen, warum etwas so ist. Ob jeder es schafft, sich reifer zu wehren, bezweifle ich, denn das hirn und die psyche sind so geformt worden, strukturen in der amygdala und dem hippocampus sind zerstört worden oder von vornherein verändert gewesen, das bekommt niemand mehr repariert…das ist die realität. Also so annehmen, wie man ist und es schaffen positiv zu sehen und verstehen lernen heisst auch nachsichtiger mit sich und seiner umwelt sein…;-)

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  4. die Gretchenfrage schlechthin für mich. Ehrlich gesagt hat es mich bis heute nicht erreicht. Das Verstehen, was was ist. Was ist Charakter, was ist F6031 und was ist der wahre Mensch.

    Ich habe meine Frau als unfassbar liebevoll, charismatisch, spontan, verrückt und lebhaft kennengelernt. und wir beide, ein kleiner ADHSler und ein BLer, hatten so unfassbar viel Spaß und liebe miteinander. Doch irgendwie schafften wir es nicht, die Kurven zu kriegen. Von der Podestbetrachtung zum echten Menschen. Ich springe mit ihr nackt in den See, kaufe ein altes Haus und wenn sie möchte, singe ich für sie am Alexanderplatz. Nackt. Aber ich lasse meine Socken liegen. Und ich bezahle manchmal meine Rechnungen nicht sofort. Und mach den Klodeckel nicht runter. Und streite es dann noch ab.

    Und sie opfert sich auf in ihrem Perfektionsanspruch. Mit dem Ziel, perfekt zu sein, weil sie nur dann geliebt wird. Und dabei immer kleiner und ängstlicher wird. Und projiziert. Mir misstraut. Und ich, der sich das alles anzieht und denkt, wenn er nur…dann…

    Es ist zum heulen. Es hätte so schön sein können. Wenn wir beide so klug wären. Vielleicht so klug wie ich jetzt. Oder wie wir beide jetzt. Ich weiß es nicht.

    Ich gehe jetzt mal ne runde weinen.

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      1. Willst du ein Update des gestrigen Tages? Das war sehr sehr intensiv. Sie war den ganzen Tag bei mir. Sie wollte nur packen. Daraus wurde ein Besuch, der 2 Stunden gedauert hat. Und wir beide waren so behutsam miteinander , dass es mich fast erschrocken hat. Dass wir so sein können. Ich finde übrigens, behutsam ist eines der schönsten Wörter. Wenn man das Wort spricht, fühlt man, was es bedeutet. Es ist sehr liebevoll, vorsichtig, und eigentlich sehr schön. Ich habe gestern zum ersten Mal von ihr gehört, warum ihre Wut Stürmer Süden. Sie sagte, es wäre keine Wut. Es wäre Verzweifelung. Weil ich sie nicht verstehe. Und sie konnte das an einigen Beispielen sehr konkret machen. Ich habe das Gefühl, dass ich ihr das Recht auf eigene Verletztheit abgesprochen habe, weil sie so agierte. Und daher habe ich mich nie gefragt, was los ist. Ich war wütend, enttäuscht, traurig, schockiert. Aber ich habe nie gesehen, wie schlecht es ihr gehen muss. Das habe ich ihr gestern auch gesagt. Und ich habe um Entschuldigung gebeten. Da hat sie geweint. Ich übrigens auch.

        Wir hatten eine Phase in unserer Beziehung, wo wir behutsam miteinander waren. Nach der ersten Eskalation die in Spaltung und so weiter endete, haben wir uns behutsam aneinander angenähert über 34 Wochen. Wir haben eigenes Leben gelebt, und immer wieder Anknüpfungspunkte zueinander gesucht. Ausflüge gemacht, Verabredungen getroffen, waren liebevoll und behutsam zueinander. Und offen und ehrlich. Leider kam nach kurzer Zeit die Sicherheit zurück. Und wir haben das aufgegeben. Wir haben gestern gemeinsam entdeckt, dass nur dieser Weg funktionieren kann. Und nicht über drei oder vier Wochen. Sondern über. Eine längere Zeit. Das war sehr bewegend. Sie so ehrlich zu erleben, mich so ehrlich zu erleben, und vor allem das behutsames. Ich bin noch immer ganz bewegt. Aber ich werde diesen Weg alleine weitergehen. Alleine wohnen, alleine mein Leben in die Hand nehmen, die Leere füllen. Mit mir selbst. Und dann schauen wir, was der liebe Gott mit uns beiden vorhat. Aber mein Wunsch ist relativ klar. Und ich glaube, Ira auch. Das hat mit DPD nichts zu tun

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      2. Wow…Das zu lesen berührt mich sehr. Und erinnert mich an eine meiner Beziehungen. Eigentlich fast alles, was Du bisher darüber geschrieben hast. Inklusive der Annäherung. Und Deines Fazits am Ende. Beeindruckend. Bin leicht sprachlos gerade.

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      3. Es ist doch oft so. Die magischen 3 Jahre. Kommt mir zumindest so vor, dass es irgendwie eine Schallmauer ist.

        Wie ging es weiter? Ich würde ehrlich gesagt mich gerne mal mit dir unterhalten. Ich weiß nich ob und für was es gut ist. Aber ich würde gerne. Einfach mal die andere Seite sehen, verstehen. Lernen.

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      4. Tja. Nina. So ist das. Es lässt uns beide nicht los. Aber was folgt daraus? Ist das zu retten oder nicht? Darf das die Frage sein? Ich denke es darf. Aber es darf nicht die zentrale Frage sein.

        Welches Fazit meinst du?

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      5. Mich berührt das auch sehr. Und, dass Siri so scheisse ist…habe das heute früh im Auto gemacht. Ira? Ich glaube es hackt…es ergibt sich aus dem Kontext. Aber bissel scheisse ist scho…

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  5. Und ja, sie kann wunderbar sein. Wie mein ADHS. Wenn man…wenn man es hinbekommt, sind beide unfassbar leidenschaftlich. Unfassbar spontan. Unfassbar unterhaltsam. Alles, was anders ist als Lieschen Müller, ist Segen und Fluch.

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  6. Eigentlich sollte ich den Kommentar auf den Blog verlinken. Also deinen und meinen. Das berührt mich irgendwie immer wieder. T würde jetzt sagen, ich wäre die totale Sissy. Hat sie auch recht 🙂

    Wir waren heute gut: sie schrieb
    Es kribbelt in meinem fingern dich zu fragen ob wir was zusammen unternehmen. Aber ich glaube, das ist keine gute Idee. Also wünsch ich dir einen schönen Feierabend. Ich mach mir einen schönen Abend zu Hause und freue mich auf Samstag

    Meine Antwort:

    Haha. Ich habe exakt das gedacht. Und genau so entschieden.

    Das ist klug. Finde ich.

    Umzug überstanden? Willkommen im dicken B.

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    1. Nur zu! Sharing is caring. 😉
      Aber im Ernst: Die Parallelen sind verblüffend. Mein Ex und ich haben gerade auch wieder zaghafte Schritte aufeinander zu gemacht. Aber es hat keinen Sinn, wenn sich an den Ursachen der Trennung nichts verändert hat. Wenn ihr Euch liebt, wünsche ich Euch, dass ihr einen Weg zueinander und miteinander findet. Bei uns ist es schon aufgrund unveränderlicher äußerer Rahmenbedingungen leider nicht möglich.

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      1. Das mit den Parallelen würde mich ehrlich gesagt sehr interessieren. Bei uns allen vieren, bei euch beiden, bei…?

        Wir suchen gerade. Ob wir finden, weiß ich nicht. Aber ich denke schon, dass wir uns lieben. Aber uns gibt es jeweils nur im Gesamtpaket.

        Ich wünsche Dir einfach mal, was du dir wünscht. Also dass das hinhaut und schön ist. Was immer es sein wird.

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