Kurz, fast schmerzlos

Nach einer viel zu kurzen Nacht war ich um sieben beim Zahnarzt. Er solle mir den verdammten Zahn ziehen. Jetzt! Endlich! Bitte. Manche Trennungen seien einfach unvermeidlich. Er fand das lustig. Ich nicht.

Die Sache dauerte keine zehn Minuten. Warum nicht gleich so? Statt einer Woche schmerzvoll verzweifelter Rettungsversuche. Ich wünschte alle Trennungen wären so schnell und irreversibel. Auch das fand er lustig. Ja, ich bin ein echter Spaßvogel.

Zu Hause las ich den postoperativen Hinweiszettel, was alles zu beachten sei: Keine Zigaretten, keinen Kaffee, keinen Alkohol, keine Milchspeisen. So stand ich da, Zigarette im Mund, Kaffee in der Hand und freute mich keinen Alkohol zu trinken. Man soll sich schließlich auf seine Stärken und Erfolge konzentrieren. Hatte ich in der Klinik gelernt. Selbst wenn der Kaffee noch mit Milch ist.

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9 Gedanken zu “Kurz, fast schmerzlos

  1. Himmel, ich schmeiß mich weg über deinen blog, die klinikchronik, deine selbstbeschreibungen, deine beobachtungen. danke, du nimmst mir die überlegung, noch schnell eine autobiographie anzufangen, jetzt schreib bitte noch etwa 40 jahre weiter und ich suche dich posthum mit einer großen flasche spätburgunder heim. getarnt als weihwasser.
    zu ver-rückt, daß in all den jahrzehnten sich nix groß geändert hat. ok, es gibt bezeichnungen für verhaltensweisen und therapien, was eher mit abrechnungsmodi zu tun hat. dazu einen gratisstempel für die, die in den icd-schlüssel passen, wobei der schlüssel dann draussen nach dem umdrehen sprichwörtlich weggeworfen wird…trotzdem erscheinen mir meine 62 jahre ganz ok oder, wie du sagst: langweilig ists nie 🙂

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      1. Schrecken in dem sinne dass die meisten menschen einen für komplett verrückt und vorallem lebensunfähig halten wenn sie davon wind bekommen dass man betroffen ist

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  2. Hey Nina danke fürs mitnehmen! Macht Spass und macht beklommen zur gleichen Zeit. Hier und da erkenne ich mich wieder… Was sagt das jetzt über mich aus? Keine Ahnung aber ich bleib mal dran…

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  3. Hallo!
    Finde deinen vorherigen und jetzigen Blog echt beeindruckend und berührend sowie auch erheiternd! Ich denke es gibt kaum Menschen die eine Vorstellung davon haben was tatsächlich hinter der Diagnose Borderline steckt und würde daher deinen Blog gerne auf FB teilen um auch ein paar mehr Menschen zu zeigen dass man keine Angst vor Personen mit einer psychischen Erkrankung haben muss- aber nicht ohne dass es für dich ok ist.
    Wärs ok für dich? 🙂

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  4. „Schrecken in dem sinne dass die meisten menschen einen für komplett verrückt und vorallem lebensunfähig halten wenn sie davon wind bekommen dass man betroffen ist“
    ach so. das war für mich weniger ein problem als das damals als wort noch nicht bekannte „mobben“ – kollegInnen, die wind bekamen 😦 ansonsten war immer alles im grünen bereich. meiner erfahrung nach geben sich die, die das pech haben diagnostiziert zu werden, im beruflichen sehr viel mehr mühe. ich nahm über 30 jahre amphetamine, um alles perfekt schaffen zu können. das war offiziell keine sv, nö, garnicht ne. die kleinen lieben speedies kamen übrigens vom hausarzt.
    ansonsten findet das eher bei dir, als bei anderen statt. eng bekannte oder freundInnen halten dich nicht für gaga (lebensunfähig ist doch wohl quatsch, du stehst doch vor ihnen???), nur weil das auf einem wisch vermerkt ist. das würde ja auch deren wahrnehmung in frage stellen, das will niemand – in einer bewerbung hingegen würde sich das nicht wirklich gut machen *kicher*
    diese ängste hatte ich auch mal, versteh mich nicht falsch. ich konnte erst ab einem gewissen alter so „cool“ werden. schade um all die mit bibbern und zurücknehmen vergeudete zeit, mach es besser!

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