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Meine Freundin fragte mich gerade, worüber ich heute nachgedacht habe. Ich fand die Frage interessant. So etwas wird man selten gefragt. Zumal es unterstellt, dass man überhaupt irgendwas gedacht hat.

Ich antwortete spontan: „Über den Zusammenhang von Zahnschmerzen, Liebeskummer und Wodka.“ Ups. Böses Wort. Ganz böses Wort. Man kann ja viel denken, aber nicht alles schreiben. Schon gar nicht Liebeskummer. Man kann nicht über Liebeskummer schreiben, ohne dass es kitschig ist. Allein das Wort führt zu brutalem Höchstausschlag in meinem Kitsch-Frühwarnsystem. Man sollte es nicht benutzen. Keine Texte lesen, in denen es vorkommt. Und niemals niemals drüber schreiben.

Aber der Zusammenhang ist logisch: Im Mittelalter wurden Zähne gern öffentlich auf Marktplätzen unter Beigabe von Alkohol und zur Belustigung der umstehenden Marktbesucher gezogen. Statt Alkohol gibt es jetzt örtliche Betäubung. Und Schmerzmittel für hinterher. Bei emotionalen Eingriffen und der Entfernung von schmerzenden Subjekten aus empfindlichen Regionen der Herzgegend helfen die Erfindungen der modernen Medizin jedoch nicht. Und während ich meinen entzündeten Zahn mit einer Höchstdosis von 2.400 mg Ibuprofen betäube, denke ich daher an Wodka. Sehnsuchtsvoll und unentwegt.

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