Nur ein Satz

Heute war mein zweiter Arbeitstag. Ich muss in das Büro der Abteilungssekretärin. Wir haben uns seit Monaten nicht gesehen. Sie freut sich. Wie nett. Sie macht mir Komplimente über mein Erscheinungsbild. Auch nett. Ich bedanke mich höflich. Und dann kommt die Frage: Hast du zugenommen? Ich schaue sie an. Und hoffe, dass nur ein Bruchteil meiner aufkommenden Gefühle meiner Mimik abzulesen ist.

  1. Nein, habe ich nicht. Im Gegenteil.
  2. Ich habe einen MANTEL an. Selbst, wenn ich 20 Kilo zugenommen hätte. Sie könnte es nicht sehen.
  3. Ist das nicht vollkommen egal?!

Ja, ist es natürlich. Macht aber nichts. Zwanzig Jahre Konditionierung lassen sich auch nicht in zwölf Wochen Therapie einfach beiseiteschieben. Ich gehe zurück in mein Büro. Und mein klar argumentierender Verstand beobachtet machtlos wie das alte Programm abläuft. Ich rege mich auf. Worüber kann ich nicht mal genau sagen. Alle Gründe sind argumentativ entkräftet. Aber das System fährt rauf. Anspannung 80. Ich verdrehe innerlich die Augen. Gott, ist das anstrengend. Und so überflüssig.

Immerhin, ich brauche nur 30 Minuten um mich wieder in einen arbeitsfähigen Zustand zu bringen. Das könnte man wohlwollend als Fortschritt bezeichnen.

Anschließend habe ich eine Umfrage gemacht, die meinen Verdacht bestätigt. Es gibt Fragen, die stellt man einfach nicht. In 99,9 Prozent der Fälle führt diese, vor allem bei weiblichen Befragten, zu geringstmöglicher Begeisterung. Während die umgekehrte Frage den gegenteiligen Effekt hat. Hier könnte man jetzt mit einer differenzierten Gesellschaftskritik anschließen. Oder schlicht feststellen, dass unsere Abteilungssekretärin ein ziemlicher Idiot ist.

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